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SReisen mit Handicap

Ausflüge auf Mallorca trotz Handicap

Für alle, die immer denken, Mallorca sei eine kleine Insel und bestünde nur aus Ballermann und dem Oberbayern, dem sei gesagt, Mallorca hat eine Vielzahl touristischer Attraktionen zu bieten und das auch für Menschen mit Handicap. In meinem heutigen Artikel möchte ich Euch einige davon vorstellen.


Porto Cristo - Ausflug mit dem Glasbodenboot entlang der Ostküste.

Die Insel mal aus einer anderen Perspektive zu beobachten ist sicher sehr reizvoll. Was bietet sich hier mehr an, als eine Fahrt mit dem Ausflugsboot. Gerade hier kann man Dinge entdecken, die einem mit dem Auto verborgen blieben. Von Porto Cristo aus hat man derer vieler Möglichkeiten.

Mir stellte sich allerdings die Frage: Komme ich mit meinem Rolli an Bord? Diese wurde mir im perfekten Deutsch am Ticketschalter mit “JA” beantwortet. Auf einem der beiden Glasbodenboote gab es sogar ein Rolli-WC und am Heck extra für Rollifahrer ausgewiesene Plätze. Damit stand dem ersten Ausflug unseres Urlaubs nichts mehr im Weg.

Entschieden haben wir uns für eine 4 Stündige Rundreise. Erst ging es Richtung Süden, an die Cala Romantica. Dort gibt es, neben wunderschönen Badebuchten, auch immer wieder Höhlen und Grotten zu bestaunen. Nach einem kurzen Stop ging weiter Richtung Norden.

In Cala Millor hatten wir die Chance von Bord zu gehen und mit einem der nächsten Boote zurückzufahren. Der Ort ist für Rollstuhlfahrer sehr zu empfehlen, die Strandpromenade ist komplett ebenerdig. Allerdings war die Suche nach öffentlichen oder gar Rollstuhlfahrer WCs leider vergebens. Man muss aber auch hier keine Angst haben, denn jede etwas größere Gaststätte verfügt über eine passende Toilette. Auch im Hafen von Porto Cristo kann man beruhigt seiner Notdurft nachgehen. Etwa 200 Meter vom Ticketschalter entfernt, befindet sich ein nettes, kleines Café mit einem sehr geräumigen WC.

Fazit:  Definitiv erhält dieser Ausflug von mir die Note 1+. Allerdings gilt auch für die Begleitpersonen, die sich ggf. auf dem Sonnendeck aufhalten…..  Sonnencreme nicht vergessen!!!


Serra de Tramuntana

Restaurant “Es Grau” oder einfach, die geilste Terrasse der Welt.

Bei unserem ersten Besuch auf Mallorca haben wir dieses schöne Fleckchen Erde, welches zwischen Cala dèstellencs und Port d'Andratx im Südwesten der Insel liegt, eher durch Zufall entdeckt, doch dieses Mal stand es bewusst als Reiseziel auf unserem Plan. Vielleicht denken jetzt viele, was soll so spektakulär an einem Restaurant sein, aber wenn Ihr einmal auf dieser Terrasse gesessen und den Ausblick genossen habt, denkt Ihr sicher genauso.

Allerdings sollte man auf der Anreise viel Zeit einplanen, denn logischerweise führen durch das Tramuntana-Gebirge keine Autobahnen, sondern ziemlich viele Serpentine, mit viel Verkehr und noch mehr Radfahrern. Aber jeder Mallorca-Besucher sollte diese Strapazen auf sich nehmen. Im Vergleich zu unserem ersten Besuch, hat sich sogar einiges am Restaurant getan.  Am Eingang gibt es jetzt extra für Rollifahrer eine Rampe, um die 3-4 Stufen problemlos zu überwinden, sowie einen ausgewiesenen Rollstuhlparkplatz. Mit Toiletten sieht es nach wie vor schlecht aus, mobile Rollifahrer dürfen jedoch die Personaltoilette neben der Küche benutzen.

Fazit:  Landschaftlich ein Highlight auf Mallorca. Der Blick von der Terrasse entschädigt für vieles. Wer allerdings Höhenangst hat, sollte diesen Ort meiden.



Das Cap Formentor

ist der nördlichste Punkt der Baleareninsel und definitiv nichts für Weicheier, sofern man Probleme mit steil abfallenden Klippen und engen Serpentinen hat. Geplant hatten wir diese Tour ursprünglich nicht, weil die Straße stark frequentiert und am Leuchtturm völlig überfüllt ist, aber im Endeffekt, haben wir es dann doch nicht bereut.

Die knapp 13 Kilometer von Port de Pollença zum Cap Formentor haben es durchaus in sich. Spektakulär schlängelt sich die Straße hier über unzählige Kehren auf fast 400 Meter über dem Meer hinauf. Anmerken möchte ich, dass einige Abschnitte der Straße oft ohne Leitplanken ausgestattet sind. Hinzu kommt noch, dass die Straße recht eng ist und auf Rücksichtnahme entgegenkommender Fahrzeuge sollte man lieber nicht hoffen.

Neben unzähligen Autos und Radfahrer gibt es noch eine andere Gefahr auf der Strecke und zwar die vielen freilaufenden Ziegen, die hier auch mal ohne Vorankündigung auf die Straße springen. Für unsere Anreise, vorbei an zahlreichen, natürlich völlig überfüllten, Aussichtspunkten und spektakulären Felsformationen, benötigten wir knapp 40 Minuten. Unser Ziel, der Leuchtturm, der gleichzeitig das Ende der Halbinsel darstellt, bekamen wir erst nach der letzten Kehre zu sehen.

Für Rollstuhlfahrer ist der Ausflug zum Leuchtturm nur bedingt empfehlenswert. Sicher, die spektakuläre Aussicht, von den knapp 300 Meter hohen Klippen, entschädigt für die Anfahrt, aber vom Parkplatz aus kommt man mit seinem Rollstuhl weder zum Leuchtturm, noch in das angrenzende Restaurant. Auch ein geeignetes WC sucht man hier leider vergeblich, was aber sicher an den baulichen Gegebenheiten liegt. 

Fazit: Wer auf Achterbahnfahrten steht und grandiose Aussichten mag, ist hier genau richtig. Allerdings sollte man diesen Ausflug nicht unbedingt in der Hauptsaison machen.


Palma

Palma ist nicht nur Hauptstadt und Regierungssitz, sondern auch das Versorgungszentrum der Baleareninsel. Im Zentrum und deren Umland leben über 400.000 Einwohner. Normalerweise bin ich kein Fan solcher Metropolen, aber irgendwie ziehen sie mich immer wieder magisch an und wer mag sie nicht, die Postkartenmotive mit Kathedrale und dem davor befindlichen Hafen. Genau dort wollten wir hin.

Knapp 45 Minuten dauerte die Fahrt von Cala Mandia im Osten der Insel in die Hauptstadt. Vorab informierten wir uns über Parkplätze, die möglichst zentral liegen sollten, die Wahl fiel auf das Parkhaus vor der Kathedrale. Dieses liegt zwar perfekt für Ausflüge in die Stadt, aber genau dies schlug sich dann auch im Preis nieder. Knapp 18 € wurden für 6 Stunden Parkdauer fällig.

Positiv überrascht war ich über das Rolli-WC direkt im Parkhaus, denn man kann im Vorfeld noch so viel recherchieren, wo es Toiletten gibt, in welche Restaurants oder Museen man ohne Hilfe hineinkommt, ein Stück Verunsicherung bleibt immer.

Wir machten uns auf den Weg Richtung Innenstadt. Die ersten 1-2 Straßenzüge waren schon recht anstrengend, weil es doch recht steil bergan ging, aber es hat sich definitiv gelohnt. Palma hat eine fantastische Innenstadt mit vielen kleinen Läden, wunderschönen Plätzen und netten Restaurants, die zum Verweilen einladen und das Ganze fast ohne Kopfsteinpflaster, was einen den Besuch sehr erleichtert. Weitere Aspekte, die positiv auffielen, waren die vielen Rolli-Parkplätze in der Innenstadt und die Tatsache, dass man in fast jedem Restaurant eine passende Toilette findet.

Nach einem tollen Stadtbummel ging es weiter zum Wahrzeichen der Stadt. Die Kathedrale der Heiligen Maria ist ein imposantes Bauwerk, ein Meisterwerk der Baukunst. Vom Hafen kommend, gibt es allerdings sehr viele Stufen zum Haupteingang, deshalb empfiehlt es sich für Rollstuhlfahrer, von der Innenstadt her, Richtung Kathedrale zu fahren. In der riesigen Kirche gibt es keinerlei Probleme für Rollstuhlfahrer, und nachdem man am Eingang den Eintritt in Höhen von 7 € erlassen bekommt, geht es über einen kleinen Lift ins Innere. Angekommen in der großen Halle, hat man diesen typischen Wow-Effekt. Mir verschlägt es ja selten die Sprache, aber hier war ich wirklich äußerst beeindruckt.  Ein Ort zum Innehalten. Es ist so unglaublich beeindruckend, wie es zur damaligen Zeit möglich war, so ein Bauwerk zu erschaffen. Ein Absolutes Muss auf jeder Palma Tour und noch ein Insider Tipp. In einer Art Gruft, gibt es wohl das schönste Behinderten-WC, der ganzen Baleareninsel.

Den Tag abgerundet hat der Besuch des Hafens von Palma. Fußläufig und auch mit dem Rollstuhl in nur knapp 10 Minuten von der Kathedrale erreichbar, haben wir uns noch schnell im Restaurant Varadero gestärkt. Hier muss man aber auch klar sagen, dass die Lage des Restaurants auch dessen Preise bestimmt. Man hat einen perfekten Blick auf die Uferpromenade von Palma und dessen Kathedrale. Auch das Varadero verfügt über ein barrierefreies WC.

Weiter ging es, vorbei an netten Restaurants, Richtung Yachthafen und ja, hier kommt man definitiv ins Schwärmen. Wer träumt nicht davon, einmal auf so einer Yacht über die Meere zu schippern, aber wir belassen es dann doch beim träumen.

Fazit:  Ein Besuch in Mallorcas Hauptstadt sollte für jeden Touristen auf dem Programm stehen. Auch mit Handicap hat man hier genügend Möglichkeiten, die Stadt für sich zu entdecken. Fakt ist aber auch, dass ein Tag dafür nicht ausreicht.


Shopping

Neben den zahlreichen Möglichkeiten, die es in Palma gibt, kann man natürlich auch außerhalb der Hauptstadt gut einkaufen. Wer es etwas ruhiger mag, ist im Festival Park, welcher sich circa 8 km vor den Toren von Palma befindet, genau richtig. Dieses Outlet Center wurde im Stile einer kalifornischen Outdoor Mall entworfen und bietet neben Geschäften und Restaurants auch ein riesiges Kino und eine Indoor Go-Kart Bahn. Die komplette Anlage ist ebenerdig und alle Geschäfte und Toiletten sind barrierefrei zu erreichen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man in der weitläufigen Anlage nie das Gefühl hat, dass es überfüllt ist.

Zwischen Flughafen und Palma liegt das 2016 eröffnete FAN-Shopping Center. Es zählt zu einer der innovativsten Einzelhandelsflächen in Europa. Neben genügend Parkplätzen gibt es natürlich auch genügend Läden, um sein Geld unter die Leute zu bringen. Auch hier muss man sich als Rollifahrer keinerlei Sorgen machen. Neben genügend Aufzügen gibt es auch auf jeder Etage ein behindertengerechtes WC. Die ganze Anlage ist lichtdurchflutet und bei 25 Grad kam selbst beim Shoppen Urlaubsfeeling auf. Etwas störend empfand ich allerdings den Fluglärm.


El Arenal - Ballermann

Der Deutschen liebste Partymeile. Bierkönig, Oberbayern und Megapark stehen hier exemplarisch für den Sauftourismus. Wir dachten uns, einmal im Leben müssen wir das gesehen haben. Gesagt getan und wir wurden bitter enttäuscht. Keine Bier- und Schnapsleichen weit und breit, wie man es aus den TV-Programmen kannte. Der Strand, die Promenade und auch vor den Geschäften war es sehr sauber. Gut möglich, dass es auch daran lag, dass wir nachmittags vor Ort waren, auch wenn natürlich die Beschallung vor dem Bierkönig und auch im Megapark ohrenbetäubend war.

Wer aber diesem Trubel aus dem Weg gehen möchte, hat auch hier genügend Möglichkeiten. Sicher wird es in der Hauptsaison nochmal eine andere Nummer sein, aber wer von Oktober bis Mai hierherkommt, kann ohne Probleme die flach verlaufende Uferpromenade für sich entdecken.


Anregungen und Kritiken gerne im Gästebuch!