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SReisen mit Handicap

Berlin - Berlin - wir fahren nach Berlin.

Man sagt, spontane Ausflüge sollen ja bekanntlich die schönsten sein und spontan war unser Kurztrip nach Berlin ganz sicher.

Berlin ist immer eine Reise wert, sei es aus kulinarischen Gründen, weil man gerne Museen besucht oder ganz einfach, weil man die Atmosphäre einer 3,5-Millionen-Metropole aufsaugen möchte. Berlin ist Hipp - Berlin ist Inn - Berlin hat für jeden Urlauber etwas zu bieten und da unser letzter Aufenthalt in der Hauptstadt schon einige Jahre zurück lag, wurde es einfach mal wieder Zeit, hier ein paar Tage zu verbringen.

Grundregel Nummer 1 für Rollstuhlfahrer lautet: informiere dich vorab über die Barrierefreiheit deines Reisezieles. Zum Glück gibt es inzwischen unzählige Webseiten, auf denen man nachlesen kann, welche Sehenswürdigkeiten für Menschen mit Handicap zugänglich sind. Leider hatten wir nur 3 Tage Zeit, um die Stadt zu erkunden und somit beschränkten wir unsere Ausflüge auf die Hotspots der Stadt.

Als Unterkunft wählten wir, das “IBIS-Budget”, ein uns bekanntes und preisgünstiges Hotel in der Nähe des Potsdamer Platzes. Es ist sicher nicht das Nonplusultra, aber zum Schlafen ist es völlig in Ordnung und das gesparte Geld kann man in die Sehenswürdigkeiten der Stadt investieren. Allerdings muss man auch ehrlicherweise sagen, dass das IBIS-Budget doch in die Jahre gekommen ist. Die behindertengerechten Zimmer haben zwar eine sehr gute Größe und auch das Bad passt soweit, allerdings entsprechen vergilbte Fließen und ein dreckiger Duschvorhang nicht dem heutigen Standard. Wer großen Wert auf Schlafkomfort legt, sollte sich noch ein separates Kopfkissen mitbringen, da das vorhandene doch recht klein ausfällt.

Behindertengerechtes Zimmer im IBIS Budget in der Anhalter Str. 6 in Berlin.

Das Frühstück war standardmäßig für diese Hotelkategorie, allerdings war der Frühstücksraum viel zu klein. Zu den Stoßzeiten musste man warten, bis ein Platz frei wurde. Pluspunkte sammelte das Hotel hingegen bei der Lage, denn fußläufig war man in knapp 5 Minuten am Potsdamer Platz und mitten im Geschehen. Auch positiv zu erwähnen ist, dass man als Rollstuhlfahrer die 17,- € Parkgebühr pro Tag erlassen bekommt.

Berlin hat, wie so viele andere Metropolen auch, einen Parkplatzmangel und so ließen wir unser Auto die komplette Urlaubszeit in der Tiefgarage des Hotels stehen und absolvierten unsere Ausflüge zu Fuß oder mit der U-Bahn. Allerdings sollte man hier doch in guter körperlicher Verfassung sein, denn was auf den Stadtplänen alles sehr nah beieinander aussieht, entpuppt sich in der Realität meist als langer Fußmarsch.

Natürlich hat Berlin ein gut ausgebautes S- und U-Bahnnetz, was mir allerdings auffiel, war die Tatsache, dass die Fahrstühle für die Rollifahrer oft an ganz anderen Stellen waren, als der eigentliche Bahnhof selbst. Wir waren eine gefühlte Ewigkeit damit beschäftigt, den richtigen Fahrstuhl zu finden, was sich, in dem Menschengewirr der Stadt, nicht immer einfach erwies, aber wenigstens funktionierten diese auch.

Madame Tussauds:

Das Wachsfigurenkabinett dürfte sicher jedem ein Begriff sein. Personen des öffentlichen Lebens werden hier in Originalgröße aus Wachs nachgebaut und ausgestellt. Millionen von Menschen haben Madame Tussauds seit der Eröffnung im Jahre 2008 besucht. Zu finden ist es “Unter den Linden”, ganz in der Nähe des Brandenburger Tores. Personen mit Handicap müssen sich keine Sorgen machen. Die Ausstellung, welche über zwei Ebenen geht, ist komplett barrierefrei und verfügt über ein behindertengerechtes WC. Für Rollstuhlfahrer gibt es einen gesonderten Eingang, da es je nach Saison und Tageszeit auch zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Berlin Dungeon:

Mitten im Herzen von Berlin und ganz in der Nähe des Alexanderplatzes findet man das “Berlin Dungeon”,eine Art Gruselkabinett, welches dich in die Vergangenheit Berlins entführt. Dieses wird auf spektakuläre Weise durch viele Laienschauspieler perfekt inszeniert. Eine Attraktion, auch für Menschen mit Handicap, denn auch im Dungeon wurde an ein behindertengerechtes WC gedacht. Der Boden im Dungeon ist etwas uneben und man muss aufgrund der diffusen Lichtverhältnisse aufpassen, dass man den Vorderleuten nicht in die Hacken fährt. Daumen hoch, denn das Dungeon ist definitiv eine Bereicherung für die Stadt und ihre Besucher. Ein Besuch empfiehlt sich am besten gleich in den Vormittagsstunden, da die Warteschlange sonst doch ziemlich lang sein kann.

Allerdings solltet ihr keine Angst vor der Dunkelheit haben.

MeMu - Menschen Museum:

Ein Blick unter die menschliche Haut des Menschen gefällig? Dr. Gunther von Hagens hat mit seinen KÖRPERWELTEN-Ausstellungen die Museumswelt revolutioniert. Mehr als 40 Millionen Besucher weltweit nach 20 Jahren, zeugen von der Strahlkraft dieser Ausstellung.

Einen kleinen Einblick in diese besondere Art der Kunst, bekommt man in Berlin direkt unter dem Fernsehturm geboten. Über einen Fahrstuhl gelangt man direkt vom Alexanderplatz zum Eingang der Ausstellung. Rucksäcke und Taschen sind hier leider nicht erlaubt und müssen in einem Schließfach verstaut werden. Die ganze Ausstellungsfläche ist barrierefrei gestaltet und natürlich gibt es auch hier ein barrierefreies WC.

Fazit:

Dies waren nur drei von unzähligen Attraktionen, die man in Berlin besuchen kann und alle drei sind für Menschen mit Handicap empfehlenswert. Allerdings würde ich aufgrund der Parkplatzsituationen auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen. Noch ein nützlicher Tipp, greift auf Kombitickets zurück, damit lässt sich doch einiges an Geld sparen. Mit diesen kann man mehrere Attraktionen der Stadt über einen bestimmten Zeitraum besuchen.

Einige Sehenswürdigkeiten in Berlin

Shopping in Berlin:

Mit Shoppingtouren tue ich mich im Allgemeinen etwas schwer, wobei es hin und wieder auch wirklich Spaß machen kann. Sollte man allerdings vorhaben in Berlin shoppen zu gehen, muss man viel Zeit mitbringen. Besucht haben wir das ALEXA und die Mall of Berlin. Kaufen kann man hier sicher alles, allerdings macht es in den Menschenmassen nur bedingt Spaß in den Läden zu stöbern. Jedes dieser beiden Einkaufszentren hat seinen ganz eigenen Reiz und natürlich sind beide auch komplett auf Menschen mit Handicap eingestellt.

Berlin vom Wasser aus:

Ein Ausflug, den man sich als Rollstuhlfahrer definitiv nicht entgehen lassen sollte, ist die Fahrt mit einem Ausflugsschiff. Die Reederei Riedel bietet hier zum Beispiel mit der “FMS Rummelsburg” ein Schiff an, welches einen komplett ebenerdigen Zugang bietet und dazu noch über ein behindertengerechtes WC verfügt. Empfehlenswert ist aber, dass man sich einige Tage vorher telefonisch erkundigt, welche Tour dieses Schiff gerade fährt.

Während unseres Berlinaufenthaltes buchten wir eine Stadtkernfahrt, welche am Ludwig-Erhard-Ufer, zwischen Bundeskanzleramt und Hauptbahnhof startet und circa 1 Stunde dauert. Sie führt vorbei am: “Nikolaiviertel, Fernsehturm, Mühlendammschleuse, Schlossplatz, Berliner Dom, Alte Nationalgalerie, Neues und Altes Museum, Pergamonmuseum, Bodemuseum, Tränenpalast, Bahnhof Friedrichstraße, Bundespresseamt, ARD-Hauptstadtstudio, Jakob-Kaiser-Haus, Reichstagsgebäude, Paul-Löbe-Haus, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Berlin-Hauptbahnhof, Moltkebrücke, Schweizerische Botschaft, Bundeskanzleramt, Haus der Kulturen der Welt und Moabiter Werder”.

Filmpark Babelsberg:

Gespannt war ich auf unseren letzten Ausflug, am Sonntag Vormittag stand der Filmpark in Babelsberg auf dem Programm. Er liegt circa 20 Minuten außerhalb von Berlin und ist gut mit dem PKW zu erreichen. Mit ein paar Tagen Abstand mussten wir allerdings feststellen, dass wir irgendwie mehr erwartet hatten. Vielleicht lag es aber auch an den über 30 Grad an diesem Tag, dass wir nach der 45-minütigen Filmpark-Führung keine richtige Lust mehr verspürten. Bei jener Führung erfährt man viel über die Historie des Filmparks, sieht einige Kulissen erfolgreicher Filme und sie ist ein muss für alle GZSZ-Fans. Der Filmpark ist leider nicht komplett auf Besucher mit Handicap eingestellt, zwar befinden sich direkt vor dem Eingang, sowie im Restaurant gleich nach dem Einlass barrierefreie Toiletten, jedoch sind nicht alle Attraktionen bzw. Bereiche des Parks stufenlos zu erreichen. Alles in allem kann man sicher sagen, dass der Filmpark für Familien einen Ausflug wert ist, aber man sollte sich Tage aussuchen, an denen es nicht so heiß und voll ist.

Impressionen aus Berlin.